Mit unserem adventlichen Pfarrblatt möchte ich einladen, diese kommende Zeit bewusst zu 

(er-)leben, sich manches Mal (Aus-) Zeiten der Stilleund des In sich Hineinhorchens zu schenken.

 

Eine Facette des „Advent“ ist das wieder Offen-Werden für die Näheund das Wirken Gottesin unserem Leben.

 

Eine weitere: DieAchtsamkeitauf unsere Worte und die Hellhörigkeitdafür, wie sehr in unserem Land durch eine aggressive, die Menschenwürde mit Füßen tretende Wortwahl gehetztund verletztwird.

 

Einige Gedankensplitter:

Die Bibel lädt – vor allem im ersten Testament – immer wieder ein,Hörendezu sein: „Höre Israel….!“

 

Hören, sich Zeiten der Stille zu gönnen, sich selber einen Besuch abzustatten und zu verweilen…ist eine grundlegende Voraussetzung, um Gotteserfahrung möglich zu machen.

 

„Gott gab dem Menschen zwei Ohren und nur einen Mund: Warum hören wir nicht zweimal soviel wie wir reden…?“ (Frank Buchmann)

 

„Man kann auf eine Art zuhören, die mehr wert ist als das Gefälligste, was man sagen kann.“

(Charles Joseph von Ligne)

 

„Die Stille ernährt, der Lärm verbraucht:“ (Reinhold Schneider)

 

„Alles Große wird in der Stille geboren.“ (Friedrich Nietzsche)

 

„Die Stille macht uns fähig, die Sprache der Dinge zu vermehren, und wird für uns zum Raum der Begegnung mit den Menschen und mit Gott.“ (Herbert Donteil)

 

„Stille ist nicht müdes Warten, sondern innerstes Wachsein.“ (H. Hümmer)

 

„Gott ist der Leiseste. Ihn hört man nur, wenn alle anderen Töne, auch die Stimmen der eigenen Brust, zum Schweigen gekommen sind.“ (Caner)

 

„Es liegt im Stillesein eine wunderbare Macht der Klärung, der Reinigung, der Sammlung auf das Wesentliche.“ (Dietrich Bonhoeffer)

 

„Die Stille gibt dem Schöpfer die Chance, bei seinen Geschöpfen anzukommen.“ (unbekannt)

 

„Immer sollte in uns die Stille sein, die nach Ewigkeit hin offensteht und lauscht…“

(Romano Guardini)

 

Diese beglückende Erfahrung, dass Stille etwas Heilsames und Tröstendes ist und uns ermöglicht, uns vertrauensvoll in Gott zu verwurzeln, wünsche ich Ihnen/Dir weit über die kommende Adventzeit hinaus

 

Mag. Franz Ofenböck

Seelsorger/Pfarrer

 

 

Advent – Achtsamkeit der Worte

 

Ehrfurcht beginnt mit unserem Reden. „Im Anfang war das Wort“, heißt es im Johannes-Prolog. (Johannes 1,1) Es gibt Worte, die alles zerstören können, und Worte, die uns aufhorchen und aufleben lassen. Sie können zum Guten verändern, aufrichten und Mut machen oder Hass, Unfrieden und Krieg herbeiführen. Worte haben auch die Kraft zu heilen, zu trösten, Brücken zu schlagen und Versöhnung zu schaffen. Mit Worten können wir einander aufrichten, können wir Zärtlichkeit schenken. Mit guten Worten zaubern wir ein Lächeln in das Gesicht unseres Gegenübers…

Tatsache ist, dass wir Menschen viel zu oft sinnlos reden, vieles nachplappern, gerne Gerüchte weitertratschen oder uns über andere lustig machen. Wir be- und verurteilen schnell und glauben viel zu rasch, was man uns sagt. 

Worte können so kostbar sein und so gefährlich. Sie können uns beleben und in Aufruhr versetzen. Sie sind von Bedeutung für uns, können aber auch nichtssagend sein.

Oft kommt es vor, dass Menschen nicht zu ihrem Wort stehen. Das gilt nicht nur für Politiker, sondern auch für uns als „Normalverbraucher“.

Jedes Wort hat Macht und Konsequenzen. Statt verletzender und erniedrigender Worte brauchen wir vielmehr hoffnungsvolle, positive und stärkende Worte – Worte der Hoffnung.  

            Theresa Zukic

 

Advent – Wachstum sehen

Den schwachen Seiten

meines Lebens nicht ausweichen

sie bewusst vor meinen Augen halten

um sie Gott zu überlassen

Nullpunkte in meinem Leben

nicht überspielen und verdrängen

sondern sie als Wachstumschancen sehen

Zeiten des Neuanfangs

in meinen Schwächen die Stärken entdecken

in meinen Stärken die Schwächen

hineinwachsen ins Urvertrauen

vor allem Tun angenommen sein.                                   Pierre Stutz

 

 

Advent – die heilende Atmosphäre in einer Kirche einatmen

 

Mach es dir zum Ritual: Wenn du in einer Stadt zu Einkäufen unterwegs bist, dann nimm dir Zeit, dich für einige Augenblicke still in eine Kirche zu setzen. Du „musst“ gar nicht beten. Setz dich einfach hin und schau dich um. Lass den Raum auf dich wirken. Hier, mitten in allem Trubel, wo alles zweckmäßig ist, ist ein leerer Raum, der etwas anderes anzeigt: Es ist ein Raum der Freiheit, wo du aufatmen kannst. Genieß es, einfach da zu sein. Stell dir vor, dass die Gegenwart Gottes dich einhüllt, dass Gott dich berührt durch die Schönheit des Raumes, in der Weite des Raumes, in der Stille, die hier herrscht.

Und dann stell dir vor: Mitten in dieser geschäftigen Stadt ist eine Oase der Ruhe. Da spüre ich mich selbst. Da entdecke ich die Stille in mir. Ich sitze nicht nur in der Kirche. Ich bin selbst ein Tempel Gottes, wie der Apostel Paulus sagt. In mir ist dieser Freiraum mitten in meinem Leben, das von so viel Zwängen beherrscht wird.

Du musst gar nichts erfahren in diesen Augenblicken, in denen du in der Kirche sitzt. Aber stell dir vor, dass dieser Raum der Stille ein heiliger und heilsamer Raum ist. Vielleicht spürst du dann etwas von der heilenden Atmosphäre dieses Raumes.

                                                                                              Anselm Grün

 

 

Seelennahrung

 

Behutsam schließe ich meine Tür.

Möchte ganz für mich sein,

niemand soll mich jetzt stören,

ich bin bei mir selbst zu Gast,

im Garten: Zu Hause

Alle Unruhe ist ausgesperrt.

Geborgenheit erfüllt mich,

ich erlebe mich selbst in meiner Tiefe.

Alles atmet Ruhe.

                                                                                   Ferdinand Krenzer, 1921-2012

 

 

Ich freue mich…

 

Wenn ich höre, dass jemand unterwegs ist. Was heißt das?

Dass dieser Mensch nicht verschlossen ist, dass er nicht stillsteht. Unterwegs!

Auf dem Weg hin zu einem ganz bestimmten Ziel, auf der Suche nach etwas:

Oft weiß ich nicht, wohin ich gelangen werde, aber ICH BIN AUF DER SUCHE.

Das ist unserem Urvater Abraham widerfahren, zu dem der Herr gesagt hat: „Mach dich auf, geh! Geh voran!“ „Wohin?“ „Ich werde es dir sagen!“ Und er ist nicht 

zum Bahnhof gegangen, um eine Fahrkarte für einen bestimmten Ort zu lösen.

-Er hat sich auf Wanderschaft begeben: er wusste nicht wohin, aber er vertraute dem Herrn. Das ist eine Eigenschaft der Christen: Unterwegs sein.

 

                                                                                   Papst Franziskus

 

Brücken zum Du

 

Aufbauen, nicht zerstören

verbinden, nicht trennen

schenken, nicht besitzen

verzeihen, nicht nachtragen

 

sammeln, nicht zerstreuen

wagen, nicht zaudern,

verstehen, nicht verurteilen,

glauben, nicht (ver-)zweifeln

 

verweilen, nicht hasten

geben, nicht nehmen

vertrauen, nicht verdächtigen

zuneigen, nicht abwenden

 

hoffen, nicht resignieren

teilen, nicht raffen

annehmen, nicht ablehnen

zuhören, nicht belehren

 

Peter Friebe