Impulsgedanken

 

 

Kontaktpflege

 Den Kontakt zu deinen Quellen pflegen –

 dankbar und kraftvoll leben können.

 

Den Kontakt zu dir selber pflegen –

stimmig und friedvoll leben lernen.

 

Den Kontakt zu anderen pflegen –

offen und liebend leben wollen.

  

Nicht die Fülle

von Kontakten ist es,

sondern die Tiefe,

die erfüllend ist.                           

 (P. Josef Maureder SJ)

 

 

 

„Jeder, der sich die Fähigkeit erhält, Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.“

 (Franz Kafka)

 

 

Alter

 „Komm, lass uns altern“ –

 „Wenn dies das Altern ist: So weit, so frei, so gelassen sein,

 so immer noch in Ja und Nein dabei sein,

 so herzlich lachen, so getröstet schweigen,

 so sich zum Großen, so zum Kleinen neigen –

 so nah dem Zeitenton, den Ewig-Psaltern:

 wenn dies das Alter ist – komm, lass uns altern!“

 (Albrecht Goes)

 

 

 

„In der Corona-Zeit ist es wichtig, den Unterschied zwischen Ängstlichkeit und Obrigkeitshörigkeit wahrzunehmen.“

 (Maria Kwarda)

 

 

 

Kommt, lasst uns Atem schöpfen!

 

In dieser Zeit der Atembeschwerden (denn Angst nimmt uns die Luft),

in dieser Welt großer Atemnot (denn Menschen treiben einander in atemberaubende Enge):

 

Sind neue Atemwege zu suchen, Schöpfungswege sind zurückzufinden,

wo Atem Gottes wieder ins Leben ruft,

und Pfingstwege – wo Gottes Geist wieder das Stickstoffhaus Erde durchweht.

Für uns, die hinter dem Atem sind, ist neuer Atemraum zu schaffen,

eine neue Welt – atembar auf lange Zeit.

 (Joop Roeland)

  

Ein Blick auf Mutter Kirche:
Mütter sehen anders aus

 

Mutter Kirche

 

Ich schließe die Augen und sehe:

 Patriarchen

 Kirchenväter

 Kirchenmänner

 Kirchenlehrer

 dicke Mauern

 große Dome

  Etwas stimmt nicht

 Mütter sehen anders aus.

 

Quelle: Helga Kohler-Spiegel/Ursula Schachl-Raber: Wut und Mut. Feministisches Materialbuch für Religionsunterricht und Gemeindearbeit, Verlag Kösel, 1991

 

 

 

Dichtung und Wahrheit

 
Eine junge Frau hat in diesen Tagen bewiesen: GEDICHTE schreiben GESCHICHTE, wenn man sie lässt. Das Gedicht, das AMANDA GORMAN, 22, zu Joe BIDENS Amtseinführung las, war mehr als die Fortschreibung des Vermächtnisses großer Schriftsteller/innen und Bürgerrechtsaktivist/innen, wie Maya Angelou und Elisabeth Alexander, denen vor ihr die Ehre des „Inaugural Poems“ zuteil wurde.

 

Ihr Gedicht, in dem sie über Spaltung, Versöhnung und den Generationenvertrag sprach, klang wie ein längst überfälliger APPELL an die Welt. Ein Ausschnitt des Gedichts sei all jenen ans Herz gelegt, die eines haben: 

  

Und so heben wir unsere Blicke, nicht um zu sehen, was zwischen uns, sondern was vor uns liegt.

 

Wir überbrücken das Trennende, denn wir wissen, wenn unsere Zukunft an erster Stelle steht, müssen wir unsere Konflikte beiseiteschieben.

 

Wir legen unsere Waffen nieder, damit wir einander unsere Arme entgegenstrecken können.

 

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Unser Planet versinkt im Wohlstandsmüll

 

 

 

                                                                      Grafik: Wolfgang JANISCH

 

 

 

Propheten sind unbequem. Künstler sind oft Propheten. Sie erspüren, was fehlt, sprechen dies an, bleiben oft unverstanden und allein. Viele der Propheten wurden/werden auch heute ermordet.

 

Wolfgang Janisch, Jahrgang 1940, Künstler im Widerstand in der ehemaligen DDR, trotzte allen Versuchen, sich von der SED vereinnahmen zu lassen. Er blieb sich selber treu, verließ den Verlag „Volk und Welt“, weil für ihn die Arbeit in einem „Parteibetrieb“ mit seiner pazifistischen Haltung unvereinbar war. Er war einer, der aneckte. Seine Fotomontagen zu Umweltproblemen und Fragen des bedrohten Friedens in den 80er-Jahren waren für staatliche Galerien zu „ketzerisch“. Selbst der Kirche gingen seine Arbeiten zu weit. Der Kopf Breschnews, aus dem Waffen wuchern, Stalin als Massenmörder und die Darstellung der UdSSR als waffenstrotzende Supermacht brachte die Kirche an die Grenze ihres Mutes. Für diese unverhüllten Wahrheiten war auch dort kein Platz. In illegalen, nicht ungefährlichen Aktionen wurden diese in U- und S- Bahnen „liegengelassen“.

 

Die Kirchenleitung – Manfred Stolpe, Generalsuperintendent Werner Kusche und Bischof Gottfried Fork hatten sich der Sache auf Drängen des Staates höchst persönlich angenommen – legte ihm ans Herz, das Plakat „Wehrertüchtigung – sooo gesund“, das einen genüsslich Brot verspeisenden Soldaten zeigt, hinter dem sich Leichenberge türmen, durch ein weniger provokantes in der Ausstellung in der Samaritergemeinde des Pfarrers Reiner Eppelmann auszutauschen. Dem damaligen DDR-Korrespondenten der ARD, Peter Merseburger, untersagte die Kirchenleitung einen Bericht über die Ausstellung.

 

Auf mehr als 100 Ausstellungen in kirchlichen Gemeinden – die Basis hatte Mut! – zeigte Wolfgang Janisch seine politisch engagierten und schonungslos kritischen Montagen. Den entmündigten DDR-Bürger unter der Fuchtel eines diktatorischen Systems, die Bedrohung der Welt durch eine gnadenlose Umweltzerstörung und die wahnwitzige Politik der beiden Supermächte unter der Prämisse der Kalkulierbarkeit eines atomaren Krieges prangerte er in seinen Arbeiten an.

 

Am 28. Jänner 1985 fand man seinen Bruder – ermordet von der Stasi – im Wasser. Die Brüder sahen sich sehr ähnlich. Vermutlich galt der Anschlag Wolfgang Janisch. Alle seine Nachforschungen blieben bisher ergebnislos…die Akten sind „verschwunden“.

 

Das Stasi-Material zu seiner eigenen Person und dem Tod seines Bruders wurde vernichtet.

 

Wolfgang Janisch war im November 1989 auf einer Vernissage im Seminar Hollabrunn, dem damaligen Wirkungsort von Mag. Franz Ofenböck. Die Vermittlung erfolgte durch Frau Helga Wandl (+2020) aus dem Kulturreferat des Landes NÖ. Zu beiden verbindet den Pfarrblatt-Verantwortlichen eine lange und tiefe Freundschaft.

 

Als Wolfgang Janisch in der Nacht zum 9. November 1989 per Bahn nach Berlin reiste, fiel die Berliner Mauer. Die damit verbundenen Hoffnungen erfüllten sich nicht. Im Gegenteil: Jene, die im Widerstand waren, wurden nach der Wiedervereinigung fallen gelassen. Wolfgang wurde nach langer, mühsamer Suche als Museumsaufseher tätig, sodass er seine Familie durchbringen konnte. Heute lebt er mit seiner Frau Gerda in Liebenwalde in Brandenburg.