Du sollst Urlaub machen“

 

„Du sollst Urlaub machen“ – sagt die Bibel sinngemäß. Zwischen anderen Vorschriften wie: „Du sollst keine anderen Götter haben“, „Du sollst nicht töten“ und „Du sollst nicht stehlen“ lesen wir in den zehn Lebensregeln an dritter Stelle: „Du sollst den Feiertag heiligen“.

Dieses Ruhetagsgesetz ist eine jüdisch-christliche Besonderheit. Seit jeher war es wichtig, dass Menschen zur Ruhe kommen und Abstand gewinnen. Dass sie ausbrechen aus der Routine des Alltags. Dass sie nicht gefangen sind und sich nicht gefangen nehmen lassen von der Geschäftigkeit des Tagwerks.

 

Also verordnete Gott den Menschen regelmäßige Auszeiten. In England spricht man von „holydays“,  also heiligen Tagen. Heilig, weil sie sich vom Alltag unterscheiden. Weil sie anders sein sollen und auch müssen. Damit der Alltag dann wieder leichter fällt. Damit er wieder schöner und geschätzter und manchmal auch erträglicher wird.

Die Urlaubstage sollen „heilige Tage“ sein, weil sie den Menschen wohltun und für ihn heilsam sein sollen.                                                                                                                                                                                        

In einem Sommer wie diesem klingt das vielleicht für manche zynisch. Wie sollen wir uns erholen, wenn vieles von dem, „was wohltut“, nicht möglich ist? Wie Urlaub machen, wenn der Lieblingsort nicht angeflogen werden kann, das Lieblingslokal gesperrt und der Lieblingsbadeort nur mit Maske betreten werden kann? Oder ein Urlaub nicht mehr leistbar ist?

 

Auch Jesus machte ab und zu Urlaub. Er suchte ganz bewusst Ruhe und Abstand. Zum Beispiel nach dem Tod Johannes des Täufers. Da fuhr er mit einem Boot in eine einsame Gegend, um allein zu sein. Überhaupt suchte Jesus zur Erholung meist die Abgeschiedenheit auf.

 

Vielleicht können wir uns daran auch heute ein Beispiel nehmen. Vielleicht müssen es nicht immer Strand und Meer und Urlaub unter den Menschen sein, um Abstand zu gewinnen. Vielleicht reicht eine kleine Wanderung, der nahe gelegene Park oder der eigene Balkon?

 

Nicht höher, weiter, beeindruckender ist Thema bei der Urlaubsplanung, sondern die Frage: „WO UND MIT WEM KOMME ICH WIRKLICH ZUR RUHE? Womit gewinne ich Abstand von der Mühe des Alltags, um d a s zu finden, was ich sonst nicht kann? Um ganz im Jetzt zu sein, zu atmen, zu staunen und den Augenblick zu genießen!“

 

(Nach: Julia Schnitzlein, Evangelische Pfarrerin)

 

 

Gönne dich dir selbst!

 

Wo soll ich anfangen? Am besten bei deinen zahlreichen Beschäftigungen….

Es ist viel klüger, du entziehst dich von Zeit zu Zeit deinen Beschäftigungen,

als dass sie dich ziehen und dich nach und nach an einen Punkt führen,

an dem du nicht landen willst. Du fragst, an welchen Punkt.

An den Punkt, wo dein Herz hart wird.

Wenn also alle Menschen ein Recht auf dich haben,

dann sei auch du ein Mensch, der ein Recht auf sich selbst hat.

 

Warum solltest einzig du selbst nichts von dir haben?

Wie lange noch schenkst du allen anderen deine Aufmerksamkeit,

nur nicht dir selbst?

Wer mit sich selbst schlecht umgeht, wem kann er gut sein?

Denke also daran: Gönne dich dir selbst!

Ich sage nicht: Tu das immer!

Ich sage nicht: Tu das oft!

 

Aber ich sage: Tu das immer wieder einmal!

Sei wie für alle anderen

auch für dich selbst da, oder jedenfalls sei es nach allen anderen.

 

Ein Rat des Bernhard von Clairvaux an Papst Eugen III.

 

 

 

Impulse…

 Mehrmals zu lesen….

Wir sind ihm nötig

 

Wenn jemand einen anderen wesentlich in sein Herz schließt, formen sich, ob er’s will oder nicht, ob er es auch nur denkt oder für möglich hält, wie von selber all die Antworten, die uns wirklich tragen. In der Liebe entdecken wir, dass wir einander notwendig sind. Der Natur sind wir gleichgültig, der menschlichen Geschichte im Ganzen völlig nebensächlich, aber einem Menschen, der uns liebt, sind wir wichtig und höchst bedeutsam, so dass er traurig würde und oft verzweifelte, gäbe es uns nicht.

Wohlgemerkt: Er liebt uns nicht, weil er uns nötig hätte, genau umgekehrt: Wir sind ihm nötig, weil er uns liebt. Nur durch die Liebe sind wir imstande, uns selber als Personen zu formen, indem wir beginnen, an die eigene Bedeutung überhaupt erst zu glauben. Und vermutlich war dies die ganze Tat Jesu, als er auf Erden war, dass er Menschen, die sich bis dahin fühlten wie Blätter im Wind, lehrte und sie erfahren ließ, sie seien etwas unverzichtbar Wesentliches für Gott.

 

Eugen Drewermann, „Leise von Gott reden“

 

 

Joop Roeland, Brot der Freundschaft

 

Freundschaft ist das Brot,

wovon Menschen leben.

Noch im Morgengrauen, sogar am Regentag,

lässt Freundschaft die Sonne aufgehen.

Und am Abend baut sie eine Leiter zu den Sternen.

Sie lässt den Garten blühen, wo sonst nur Steppe ist.

Sie gibt den Geräuschen des Tages den Tonfall der Sorge.

Auch die Sprache des Alltags wird auf Noten gesetzt,

aus gewöhnlichen Worten wird ein Lied.

Sie lässt das Lachen nicht alt werden und

hält die Seele klar wie eine Quelle.

Leichten Fußes geht man den Weg in das Haus eines Freundes.

 

Von der Freundschaft leben die Menschen:

Wovon aber lebt die Freundschaft?

Von der Gemeinsamkeit der Wege.

Von der Offenheit des Erzählens.

Von der Aufmerksamkeit des Hörens.

Von der Behutsamkeit der Sorge.

Von der Freude des Teilens.

Von der Sanftmut des Trostes.

Von der Beharrlichkeit des Verzeihens.

Von der Unerschöpflichkeit des Vertrauens.

 

Joop Roeland (1931-2010), Augustinerpater, Hochschulseelsorger,

Aids-Seelsorger, Dichter

 

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Kontaktpflege

 Den Kontakt zu deinen Quellen pflegen –

 dankbar und kraftvoll leben können.

 

Den Kontakt zu dir selber pflegen –

stimmig und friedvoll leben lernen.

 

Den Kontakt zu anderen pflegen –

offen und liebend leben wollen.

  

Nicht die Fülle

von Kontakten ist es,

sondern die Tiefe,

die erfüllend ist.                           

 (P. Josef Maureder SJ)

 

 

 

„Jeder, der sich die Fähigkeit erhält, Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.“

 (Franz Kafka)

 

 

Alter

 „Komm, lass uns altern“ –

 „Wenn dies das Altern ist: So weit, so frei, so gelassen sein,

 so immer noch in Ja und Nein dabei sein,

 so herzlich lachen, so getröstet schweigen,

 so sich zum Großen, so zum Kleinen neigen –

 so nah dem Zeitenton, den Ewig-Psaltern:

 wenn dies das Alter ist – komm, lass uns altern!“

 (Albrecht Goes)

 

 

 

„In der Corona-Zeit ist es wichtig, den Unterschied zwischen Ängstlichkeit und Obrigkeitshörigkeit wahrzunehmen.“

 (Maria Kwarda)

 

 

 

Kommt, lasst uns Atem schöpfen!

 

In dieser Zeit der Atembeschwerden (denn Angst nimmt uns die Luft),

in dieser Welt großer Atemnot (denn Menschen treiben einander in atemberaubende Enge):

 

Sind neue Atemwege zu suchen, Schöpfungswege sind zurückzufinden,

wo Atem Gottes wieder ins Leben ruft,

und Pfingstwege – wo Gottes Geist wieder das Stickstoffhaus Erde durchweht.

Für uns, die hinter dem Atem sind, ist neuer Atemraum zu schaffen,

eine neue Welt – atembar auf lange Zeit.

 (Joop Roeland)

  

Ein Blick auf Mutter Kirche:
Mütter sehen anders aus

 

Mutter Kirche

 

Ich schließe die Augen und sehe:

 Patriarchen

 Kirchenväter

 Kirchenmänner

 Kirchenlehrer

 dicke Mauern

 große Dome

  Etwas stimmt nicht

 Mütter sehen anders aus.

 

Quelle: Helga Kohler-Spiegel/Ursula Schachl-Raber: Wut und Mut. Feministisches Materialbuch für Religionsunterricht und Gemeindearbeit, Verlag Kösel, 1991

 

 

 

Dichtung und Wahrheit

 
Eine junge Frau hat in diesen Tagen bewiesen: GEDICHTE schreiben GESCHICHTE, wenn man sie lässt. Das Gedicht, das AMANDA GORMAN, 22, zu Joe BIDENS Amtseinführung las, war mehr als die Fortschreibung des Vermächtnisses großer Schriftsteller/innen und Bürgerrechtsaktivist/innen, wie Maya Angelou und Elisabeth Alexander, denen vor ihr die Ehre des „Inaugural Poems“ zuteil wurde.

 

Ihr Gedicht, in dem sie über Spaltung, Versöhnung und den Generationenvertrag sprach, klang wie ein längst überfälliger APPELL an die Welt. Ein Ausschnitt des Gedichts sei all jenen ans Herz gelegt, die eines haben: 

  

Und so heben wir unsere Blicke, nicht um zu sehen, was zwischen uns, sondern was vor uns liegt.

 

Wir überbrücken das Trennende, denn wir wissen, wenn unsere Zukunft an erster Stelle steht, müssen wir unsere Konflikte beiseiteschieben.

 

Wir legen unsere Waffen nieder, damit wir einander unsere Arme entgegenstrecken können.

 

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Unser Planet versinkt im Wohlstandsmüll

 

 

 

                                                                      Grafik: Wolfgang JANISCH

 

 

 

Propheten sind unbequem. Künstler sind oft Propheten. Sie erspüren, was fehlt, sprechen dies an, bleiben oft unverstanden und allein. Viele der Propheten wurden/werden auch heute ermordet.

 

Wolfgang Janisch, Jahrgang 1940, Künstler im Widerstand in der ehemaligen DDR, trotzte allen Versuchen, sich von der SED vereinnahmen zu lassen. Er blieb sich selber treu, verließ den Verlag „Volk und Welt“, weil für ihn die Arbeit in einem „Parteibetrieb“ mit seiner pazifistischen Haltung unvereinbar war. Er war einer, der aneckte. Seine Fotomontagen zu Umweltproblemen und Fragen des bedrohten Friedens in den 80er-Jahren waren für staatliche Galerien zu „ketzerisch“. Selbst der Kirche gingen seine Arbeiten zu weit. Der Kopf Breschnews, aus dem Waffen wuchern, Stalin als Massenmörder und die Darstellung der UdSSR als waffenstrotzende Supermacht brachte die Kirche an die Grenze ihres Mutes. Für diese unverhüllten Wahrheiten war auch dort kein Platz. In illegalen, nicht ungefährlichen Aktionen wurden diese in U- und S- Bahnen „liegengelassen“.

 

Die Kirchenleitung – Manfred Stolpe, Generalsuperintendent Werner Kusche und Bischof Gottfried Fork hatten sich der Sache auf Drängen des Staates höchst persönlich angenommen – legte ihm ans Herz, das Plakat „Wehrertüchtigung – sooo gesund“, das einen genüsslich Brot verspeisenden Soldaten zeigt, hinter dem sich Leichenberge türmen, durch ein weniger provokantes in der Ausstellung in der Samaritergemeinde des Pfarrers Reiner Eppelmann auszutauschen. Dem damaligen DDR-Korrespondenten der ARD, Peter Merseburger, untersagte die Kirchenleitung einen Bericht über die Ausstellung.

 

Auf mehr als 100 Ausstellungen in kirchlichen Gemeinden – die Basis hatte Mut! – zeigte Wolfgang Janisch seine politisch engagierten und schonungslos kritischen Montagen. Den entmündigten DDR-Bürger unter der Fuchtel eines diktatorischen Systems, die Bedrohung der Welt durch eine gnadenlose Umweltzerstörung und die wahnwitzige Politik der beiden Supermächte unter der Prämisse der Kalkulierbarkeit eines atomaren Krieges prangerte er in seinen Arbeiten an.

 

Am 28. Jänner 1985 fand man seinen Bruder – ermordet von der Stasi – im Wasser. Die Brüder sahen sich sehr ähnlich. Vermutlich galt der Anschlag Wolfgang Janisch. Alle seine Nachforschungen blieben bisher ergebnislos…die Akten sind „verschwunden“.

 

Das Stasi-Material zu seiner eigenen Person und dem Tod seines Bruders wurde vernichtet.

 

Wolfgang Janisch war im November 1989 auf einer Vernissage im Seminar Hollabrunn, dem damaligen Wirkungsort von Mag. Franz Ofenböck. Die Vermittlung erfolgte durch Frau Helga Wandl (+2020) aus dem Kulturreferat des Landes NÖ. Zu beiden verbindet den Pfarrblatt-Verantwortlichen eine lange und tiefe Freundschaft.

 

Als Wolfgang Janisch in der Nacht zum 9. November 1989 per Bahn nach Berlin reiste, fiel die Berliner Mauer. Die damit verbundenen Hoffnungen erfüllten sich nicht. Im Gegenteil: Jene, die im Widerstand waren, wurden nach der Wiedervereinigung fallen gelassen. Wolfgang wurde nach langer, mühsamer Suche als Museumsaufseher tätig, sodass er seine Familie durchbringen konnte. Heute lebt er mit seiner Frau Gerda in Liebenwalde in Brandenburg.