ENDLICH EINER, DER SAGT

 

Endlich einer, der sagt:
„Selig die Armen!“

und nicht:

Wer Geld hat, ist glücklich!

Endlich einer, der sagt:

„Liebe deine Feinde!“

und nicht:

Nieder mit den Konkurrenten!

Endlich einer, der sagt:

„Selig, wenn man euch verfolgt!“

und nicht:

Passt euch jeder Lage an!

Endlich einer, der sagt:

„Der Erste soll der Diener aller sein!“

und nicht:

Zeige, wer du bist!

Endlich einer, der sagt:

„Was nützt es dem Menschen, wenn er 

die ganze Welt gewinnt!“

und nicht:

Hauptsache vorwärtskommen!

Endlich einer, der sagt:

„Wer an mich glaubt, wird leben in Ewigkeit!“

und nicht:

Was tot ist, ist tot!

 

Martin Gutl

 

 

INTERVIEW

 

Wenn er kommt, der Besucher,

der Neugierige, und dich fragt,

dann bekenne ihm,

dass du keine Briefmarken sammelst,

keine farbigen Aufnahmen machst,

keine Kakteen züchtest,

dass du kein Haus hast,

keinen Fernsehapparat,

keine Zimmerlinde.

Dass du nicht weißt,

warum du dich hinsetzt und schreibst,

unwillig, weil es dir kein Vergnügen macht.

Dass du den Sinn Deines Lebens

immer noch nicht herausgefunden hast,

obwohl du schon so alt bist.

Dass du geliebt hast, aber unzureichend,

dass du gekämpft hast,

aber mit zaghaften Armen.

Dass du an vielen Orten zu Hause warst,

aber ein Heimatrecht hattest an keinem.

Dass du dich nach dem Tode sehnst

und ihn nicht fürchtest.

Dass du kein Beispiel geben kannst

als dieses:

immer noch offen.

 

Maria Luise Kaschnitz

 

 

SAGEN NICHT DESWEGEN SO VIELE

 

Sagen nicht deswegen so viele: Es gibt keinen Gott,

-       weil es uns nicht gibt:

uns Helfer, uns Verteidiger der Menschenrechte,

uns wachsame Gegner jeder Diktatur,

uns Friedensstifter, uns Christinnen und Christen?

Sagen nicht deswegen so viele: Es gibt keinen Gott,

-       weil es uns nicht gibt:

als Hand, die heilt,

als Wort, das befreit,

als Wasser, das Wüsten belebt?

 

Martin Gutl

 

 

„Das Schweigen ist die Heimat des Wortes“

 

 

Wir sind auf der Suche und tragen

eine kleine Flamme der Sehnsucht in uns.

 

Es ist unsere tiefe Sehnsucht nach Leben,

nach unserem wahren Menschsein…

Im Trubel und in der Hektik des Alltags

überhören wir oft diesen Ruf.

Erst wenn wir still werden und inwendig spüren,

wenn wir das Außen loslassen,

wenn wir vom Reden ins Schweigen kommen,

dann kann unsere Sehnsucht gestillt werden.

 

(Elisabeth Berger, Kloster Irdning)

 

„Die Stille ernährt, der Lärm verbraucht.“

(Reinhold Schneider)

 

„Stille ist nicht müdes Warten, sondern innerstes Wachsein.“

(H. Hümmer)

 

 

Ich bin dankbar…

  • für die Steuern, die ich zahle, weil das bedeutet, ich habe Arbeit und Einkommen.
  • für die Hose, die ein bisschen zu eng sitzt, weil das bedeutet, ich habe genug zu essen.
  • für das Durcheinander nach einer Feier, das ich aufräumen muss, weil das bedeutet, ich war von lieben Menschen umgeben.
  • für den Rasen, der gemäht, die Fenster, die geputzt werden müssen, weil das bedeutet, ich habe ein Zuhause.
  • für die laut geäußerten Beschwerden über die Regierung, weil das bedeutet, wir leben in einem freien Land und haben das Recht auf freie Meinungsäußerung.
  • für die Parklücke ganz hinten in der äußersten Ecke des Parkplatzes, weil das bedeutet, ich kann mir ein Auto leisten.
  • für die Frau, die in der Kirche hinter mir sitzt und falsch singt, weil das bedeutet, dass ich hören kann.
  • für die Wäsche und den Bügelberg, weil das bedeutet, dass ich genug Kleidung habe.
  • für die Müdigkeit und die schmerzenden Muskeln am Ende des Tages, weil das bedeutet, ich kann mich bewegen und bin fähig, selbst etwas zu tun.
  • für den Wecker, der morgens klingelt, weil das bedeutet, mir wird ein neuer Tag geschenkt.

 

Manchmal lohnt es sich, den Blickwinkel zu wechseln.

 

Sonntag ist….

Der erste Tag der Woche. Für mich ganz klar der Tag des Gottesdienstes und der gemeinsamen Begegnung untereinander und vor allem mit Gott.

Es ist der Tag, an dem wir alle miteinander in die Gegenwart Gottes eintauchen können.

 

Leben ist…

Ringen, verwundbar sein, in Beziehung stehen, und letztlich glücklich sein.

Dabei habe ich die Gewissheit und ein Grundvertrauen, dass Gott immer da ist und unser Leben aktiv trägt.

 

Glaube ist…

Zu wachsen, sich Fragen zu stellen, manchmal zu zweifeln.

Aber in allem, was man macht, leidenschaftlich immer wieder auf neue Art und Weise

Gott zu ent-decken, der mich und uns niemals loslässt.

 

Missionarisch-Sein …

Ist in der Kirche sekundär. Es soll uns nicht vordergründig darum gehen,

Menschen für unsere Kirche zu rekrutieren, sondern wir dürfen die Leidenschaft, die Jesus erfüllt hat, weitertragen.

Und dadurch können Menschen diese Leidenschaft Gottes auch für ihr eigenes Leben ent-decken.

Das Stimmigste, was wir alle tun können, um das zu erreichen, ist: 

von den eigenen Glaubenserfahrungen offen, unaufdringlich und angstfrei zu erzählen.

 

Wir als Pfarre verstehen uns als eine Suchgemeinschaft, die nicht die Wahrheit gepachtet hat. Wir be-stärken einander auf unserem Lebens- und Glaubensweg. Wir feiern die Sakramente als Geschenke Gottes, als Lebens-mittel. 

Offen für Ihn und füreinander, laden wir Sie ein, liebe Leserin, lieber Leser, 

mit uns unterwegs zu sein.

 

Karl MOLNAR, stellv. Vors.      Mag. Franz OFENBÖCK, Seelsorger

 

„Ich vertraue fest darauf, dass Gott nicht müde wird, auf uns zuzugehen. Und dass er unsere Kirche – in all ihrer Begrenztheit – braucht, um seine Leidenschaft in die Welt zu tragen.“ (Markus Beranek)