Demokratie braucht Achtung und Wertschätzung….Der berührende Abschied von Franz-Joseph HUAINIGG, Behindertensprecher der ÖVP, bei der letzten Nationalratssitzung

 

„Haben Sie, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, den Mut, den politischen Gegner über die Parteigrenzen hinweg auch einmal zu loben, wenn Sie etwas als gut empfunden haben. Ich bin überzeugt, das würde der politischen Kultur guttun, und durch einen gegenseitigen wertschätzenden Umgang würde auch die Demokratie gestärkt.

Ich habe 2007 ein Gedicht mit dem Titel „ABSCHIED“ geschrieben und ergänze dieses um eine neue letzte Strophe, die ich dem Parlament widmen möchte“:

 

 

GOTT UND DIE WELT

Als Kind waren meine Beine plötzlich gelähmt.

Ich weinte und verstand Gott und die Welt nicht mehr.

Da sprach Gott:

Ich nehme Dir die Kraft der Beine und schenke Dir die Langsamkeit.

So entdeckte ich eine neue Welt, langsam auf dem Boden kriechend.

 

Als Jugendlicher konnte ich plötzlich nicht mehr mit Krücken gehen.

Ich weinte und verstand Gott und die Welt nicht mehr.

Da sprach Gott:

Ich nehme Dir die Kraft in den Armen und schenke Dir dafür Witz und Ironie.

So entdeckte ich im Rollstuhl eine neue Welt

und brachte auf der Kabarettbühne die Leute zum Lachen.

 

Jahre später konnte ich weder Arme noch Beine bewegen.

Ich weinte und verstand Gott und die Welt nicht mehr.

Da sprach Gott:

Desto weniger Du Dich bewegst, desto mehr bewegst Du.

So begann ich die Welt ein wenig zu verändern und wurde Politiker.

 

Heute kann ich nicht mehr ohne Maschine atmen.

Ich verstand Gott und die Welt nicht mehr.

Da sprach Gott: Ich nehme Dir die Lungenkraft

und schenke Dir einen langen Atem,

um für die Würde des Lebens zu kämpfen.

(Quelle: Der Standard vom 21.09.2017)

 

 

Denkanstoß:

„Wenn Gutmensch ein Schimpfwort geworden ist, dann weiß ich nicht, wo wir hinwollen.“

(Gery Seidl)

 

 

„Es ist die revolutionärste Tat zu sagen, was ist.“

(Rosa Luxenburg)

 

Gynäkologe Prof. DDR. Johannes Huber: Medizin darf nicht alles, was sie kann …

Wissenschaft und Religion sind aufeinander angewiesen: Das hat der renommierte Theologe, Gynäkologe, Ethiker und Wissenschaftler Prof. Joannes Huber im August bei den 10. Kardinal-König-Gesprächen in Kirchberg/Pielach dargelegt.

Wissenschaft könne nicht zum letzten Wissen vordringen und brauche – etwa in der Medizin – Grenzen.

Andererseits könne die Religion Gott niemals beweisen, sagte der ehemalige Sekretär von Kardinal Franz König in dessen Heimat bei einem Vortrage zum Thema „Mensch und Schöpfung“. Ein „Dialog ohne Frageverbote“ sei zwischen beiden nötig.

Fortschritt auf Kosten der Nächsten

Die Bibel spreche davon, dass sich der Mensch die Erde untertan machen solle; gleichzeitig überschreite dieser jedoch tagtäglich die Grenzen….

Solche Grenzen seien einerseits die Naturgesetze und – verfassung, sowie auch, wenn dieser Fortschritt auf Kosten des Nächsten gemacht wird.“

Schon seit tausenden Jahren gebe es deshalb Regeln für das Zusammenleben, wie etwas den Codex Hammurabi oder die zehn Gebote. „Heute stellt sich die Frage: Dürfen wir alles, was wir können? Dürfen wir alles, was Spaß macht?“, so der Wissenschaftler.

Auch von Treue reden

Dies gelte etwa auch für die Sexualität. „Sollen wir die biologische Verfassung der zweigeschlechtlichen Sexualität wirklich verlassen? Sollen wir die Jugend wirklich nach dem Lustprinzip erziehen?“, stellte Huber in den Raum. Sexualität habe in der Bibel einen interpersonalen Charakter; das Berührtwerden vom anderen Geschlecht sei positiv und fördere die Solidarität zwischen den Ehepartnern, doch behandle der schulische Aufklärungsunterricht viele derartigen Aspekte – wie etwa auch die TREUE – gar nicht!!! „Man muss heute jungen Menschen auch sagen, dass Mutter Natur ein Zauberwerk entworfen hat, das der Partnerschaft dient, und auch, dass durch die Schwangerschaft die Verbindung zwischen Mann und Frau gefestigt wird“, betonte Prof. Huber.

Gefahr von Lobbyisten

In etlichen medizinischen Bereichen seien die ethischen Herausforderungen größer denn je. Den vereinzelt in Brüssel tätigen Ethikern stünden tausende Lobbyisten von Konzernen in der EU-Hauptstadt gegenüber. Dies gelte auch für das „Big Business“ der künstlichen Befruchtung – eine Technik, mit der man sorgsam umgehen müsse und deren negative Aspekte, wie Missbildungen oder auch das vierfach erhöhte Risiko von Eierstockkrebs, man nicht ausblenden dürfe, forderte der Forscher.

Gewöhnung an Gedanken des Tötens

Besonders warnte der renommierte Wissenschaftler vor der „Gewöhnung an den Gedanken des Tötens, ob beim ungeborenen Leben oder am Lebensende“. Längst werden Embryonen vernichtet, und in manchen Weltgegenden werde die Frage „Warum brauchen wir die Alten?“ gestellt.

Gleichzeitig verspreche die Wissenschaft eine noch höhere Lebenserwartung, arbeite an der Aktivierung von Stammzellen zur Regeneration von Organen im Alter und versuche den Alterungsprozess zu stoppen.

Die biblische Apokalypse gebe hier jedoch eine Warnung: „Viele glauben, etwas Gutes zu tun, bewirken aber das Gegenteil.“

500 Jahre Martin LUTHER – neue Thesen

These (1): Die Kirche wird in ihrer uneingeschränkten Solidarität „mit den Armen und Bedrängten aller Art“ ihre prophetische Kraft wiederfinden, und sie wird in diesem sakramentalen Zeichen ihrem Gott im Heute nachleben.

These (2): Die Überzeugungskraft der Kirche erhält Gewicht mehr durch ihr Handeln als durch ihre (vielen) Worte.

Walter KIRCHSCHLÄGER, Em. Professor für Neues Testament, Luzern

Wer diese Thesen vertiefen möchte, überprüfe sie anhand der Jesusgeschichten der Evangelien. Sie und er lasse sich dazu anleiten durch Bischof Franziskus: Beinahe täglich legt er in der morgendlichen Eucharistiefeier in Santa Marta die Geschichte des Evangeliums aus, um dann einen Tag lang danach zu leben…

(Zugänglich unter: http://de.radiovaticana.va/news, oder gratis bestellbar täglich: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! ).

Pfarrer Initiative

P r e s s e m e l d u n g

Noch immer kein Bischof für Innsbruck: Untragbar und blamabel!

Wien, 12.09.2017. Als „untragbar und blamabel“ empfindet die österreichische Pfarrer- Initiative die fortgesetzte Nicht-Bestellung eines Bischofs für Innsbruck. „Hier wird nicht nur ein Amt dauerhaft beschädigt, hier wird eine ganze Ortskirche in ihren Rechten und ihrer Würde missachtet und düpiert“, übt Obmann Helmut Schüller scharfe Kritik. Wieder einmal zeige sich, dass die Getauften als Hauptbetroffene keine Rechte hätten: keine Möglichkeit zur Mitbestimmung, keinen Anspruch auf Transparenz des Vorgangs, offenbar noch nicht einmal das Recht auf einen Bischof. „Kompetenz und Glaubenssinn der Ortskirche werden wieder einmal außer Acht gelassen, ein kooperatives Kirchenvolk vor den Kopf gestoßen“, fasst Schüller die Stimmung unter seinen Kollegen zusammen. Der Grundsatz „Tut nichts ohne den Bischof!“ (Hl. Ignatius v. Antiochien, ca. 110 n.Chr.) werde in Tirol „ad absurdum geführt“, so Schüller weiter. „Wichtige Entscheidungen sind in Innsbruck seit bald zwei Jahren blockiert. Langsam muss man sich wundern, wie und wieso eine Diözese überhaupt so lange ohne Bischof zurechtkommen kann. In Zeiten von Pfarr-Zusammenlegungen als Antwort auf Pfarrermangel stellt sich ja fast die Frage: Wird gar hinter den Kulissen an einem Modell der Zusammenlegung von Diözesen gearbeitet?“ Seit Jänner 2016 wartet die Diözese Innsbruck auf einen Nachfolger für Bischof Manfred Scheuer. Die Pfarrer-Initiative ist eine österreichweite Bewegung katholischer Priester und Diakone, die sich für lebendige Gemeinden, zeitgemäße Kirchenstrukturen und eine glaubwürdige Weltkirche einsetzt, die den Dienst am Menschen wieder in den Mittelpunkt stellt. Gegründet im April 2006 durch neun Priester, verzeichnet die Pfarrer- Initiative heute mehr als 430 Mitglieder aus den Reihen der römisch-katholischen Kirche; rund 3.100 Laien unterstützen die Reformbewegung um Pfarrer Helmut Schüller.

Der neue Bischof und der Prozess der Bischofsernennungen

Stellungnahme der Mitglieder der Pfarrerinitiative der Diözese Innsbruck und der Pfarrerinitiative Österreich

Rom hat nach von der Diözese Innsbruck noch nicht bestätigten Berichten mit MMag. Hermann Glettler einen neuen Bischof der Diözese Innsbruck ernannt, der Laien und Priestern wenig bekannt ist und von auswärts kommt. Mit Befremden müssen wir das zur Kenntnis nehmen.

Hermann Glettler hat aber einen ausgezeichneten Ruf als Seelsorger. Er ist bekannt für seine Menschennähe und für seine Glaubensverkündigung auf der Höhe unserer Zeit. Er stand in seiner Pfarre St. Andrä in Graz in lebendigem Kontakt mit den Menschen anderer Sprache und Religion sowie mit Flüchtlingen. Glettler ist selbst künstlerisch tätig und steht in regem Austausch mit Künstlern, mit denen er eindrückliche Projekte verwirklicht hat.

Beim Treffen des Priester- und Laienrates der Diözese Innsbruck am 9.1.2016 wurden in einem qualifizierten Prozess ein Anforderungsprofil für einen künftigen Bischof der Diözese erstellt und geeignete Kandidaten dafür ermittelt. Hermann Glettler war zwar nicht unter den 14 vorgeschlagenen Personen, die das größte Vertrauen gefunden hatten, erfüllt aber in hohem Maß das erstellte Anforderungsprofil.

Diese Form der Beteiligung des Kirchenvolkes der Diözese an der Ermittlung des künftigen Bischofs vor 20 Monaten wurde von Bischof Dr. Manfred Scheuer angeregt und vom Apostolischen Nuntius Erzbischof Peter Zurbriggen gutgeheißen.

Größten Unmut hat die 20-monatige Dauer des Ernennungsprozesses eines neuen Bischofs hervorgerufen. Dass es die Verantwortlichen in Rom dabei auch nicht für nötig gehalten haben, Erklärung oder Rechenschaft zu geben, zeugt von abgehobener, zentralistischer Machtausübung eines Systems.

Die grundlegende Reform des Prozesses der Bischofsernennungen ist unverzichtbar! Die Beteiligung der Verantwortlichen und des Kirchenvolkes einer Diözese darf nicht vom Wohlwollen Einzelner abhängen, sondern muss kirchenrechtlich bindend werden.

Papst Franziskus selbst hat bei der 50-Jahr-Feier der Bischofssynode im Oktober 2015 eine Dezentralisierung eingemahnt und an das Anliegen erinnert, „'gemeinsam voranzugehen' – Laien, Hirten und der Bischof von Rom“. Das derzeitige Vorgehen bei Bischofsernennungen missachtet diesen Wesenszug der Kirche, basiert auf dem Misstrauen gegenüber der Ortskirche und geschieht unter erheblicher Geringschätzung der Würde des Kirchenvolkes. Über Jahrhunderte hindurch war dagegen die Wahl des Bischofs durch Klerus und Volk die Weise der Bischofsbestellung schlechthin: „Wer allen vorstehen soll, muss auch von allen gewählt werden.“ (Papst Leo I., der Große, 440-461)

Aus biblischen, theologischen, spirituellen und kirchenbürgerrechtlichen Gründen ist eine Reform überfällig:

–Frauen und Männer des diözesanen Kirchenvolkes, besonders die gewählten und ernannten Verantwortlichen der diözesanen und dekanatlichen Räte, sind bei der Ernennung eines Bischofs mitverantwortlich zu beteiligen.

–Schluss mit der Geheimniskrämerei, welche Personen wozu befragt werden und wer die Entscheidungen nach welchen Kriterien trifft! Der Prozess der Bischofsernennungen ist unter Wahrung der Vertraulichkeit transparent zu gestalten. Dabei soll auch die bewährte Tradition der gemeinsamen spirituellen Entscheidungsfindung angewendet und fruchtbar gemacht werden.

–Die Kirchenleitung hat die Verantwortung, unter Einbindung der Ortskirche, in wesentlich kürzerer Zeit (im Konzil von Chalcedon, 451, wurden drei Monate dafür bestimmt) für eine Bischofsnachfolge zu sorgen.

–Der derzeitige Modus der Bischofsernennungen zeigt die Dringlichkeit einer Erneuerung der Theologie des Amtes des Bischofs und des Priesters auf Grundlage eines evangelien- und zeitgemäßen Kirchen- und Gottesbildes.

Vom neuen Bischof erwarten wir gemäß der Einladung von Papst Franziskus mutige Vorschläge für die Erneuerung der Kirche. Dazu werden wir die Zusammenarbeit mit ihm suchen und wünschen ihm Gottes Geist und Segen!

Einige unserer Pfarrgemeinderäte hatten das Vergnügen, den neuen Tiroler Bischof beim Vikariatstag der Pfarrgemeinderäte im Bildungshaus Großrußbach im vgn. September kennen zu lernen!

Ein Papst, der auf-atmen lässt: Franziskus setzt Zeichen

1.Papst nimmt sich 90 Minuten Zeit für geschiedene Frauen

Papst Franziskus hat sich den oft schwierigen Alltag von Frauen nach einer Ehescheidung oder Trennung schildern lassen. Im Vatikan empfing er eine Gruppe spanischer Katholikinnen aus der Erzdiözese Toledo, deren Ehen gescheitert sind.

Er nahm sich mit eineinhalb Stunden ungewöhnlich viel Zeit für die Frauen. Viele Audienzen beim Papst dauern nicht länger als eine halbe Stunde.

„Wir haben einen Vater gefunden, der uns freundlich und mit absoluter Einfachheit zugehört hat“, berichtete – berührt von dieser Begegnung – eine der Frauen.

2.Papst entlässt den Chef der Glaubenskongregation

Ein starkes weiteres Zeichen setzte er, indem er sich von seinem größten Widersacher, dem Präfekten der Glaubenskongregation, Gerhard Maria Müller, befreite. Dies ist ein epochaler Einschnitt, denn Müller war von Benedikt dem XVI in diese Funktion berufen worden und ist Ratzinger direkt gefolgt. Zum Eklat kam es in Folge der Bischofssynode über Ehe und Familie. Müller hatte der Linie von Franziskus, mit Geschiedenen und Wiederverheirateten barmherzig in Sinne Jesu umzugehen, erbittert widerstanden.

Der Salzburger Theologe Gregor Maria Hoff meinte zu diesem Schritt von Papst Franziskus: „Eine Epoche geht zu Ende, in der die Glaubenskongregation die theologische Welt zu knechten und zu disziplinieren vermochte. Längst diskutiert man offen in der katholischen Kirche Fragen, über die man unter Johannes Paul II. nicht einmal nachdenken durfte.“

Den Nachfolger Müllers, den spanischen Erzbischof Luis Francisco Ladaria Ferrer, kennt der Autor dieses Pfarrblattes von einem Gespräch bei der Glaubenskongregation, zu dem sich die Vorstandsmitglieder der PFARRERINITIATIVE, angeführt von deren Gründer und Sprecher Helmut SCHÜLLER vorgekämpft hatten. Ladaria hat in Frankfurt Theologie studiert und ist Jesuit. Das Gespräch mit ihm ist gut verlaufen.

In Anlehnung an das Jesus-Wort „Nehmt mein Joch auf euch…meine Last ist leicht…“ schafft es Franziskus, dem Jahrhunderte alten Joch zu entsagen und unsere Kirche und deren Mitglieder zu befreien und sie damit ans Wesentliche – an Jesus – heranzuführen.

Ein Wort von Franziskus aus einem Gespräch mit lateinamerikanischen Ordensschwestern:

„Wenn man von der Glaubenskongregation wegen unkonventioneller Seelsorge einen mahnenden Brief bekommt, soll man den höflich beantworten, dann aber weitermachen wie bisher….“

Jesus als Mystiker – Impulse für eine Spiritualität des Alltags

Aus dem empfehlenswerten  Buch von Monika RENZ: Der Mystiker aus Nazareth. Jesus neu begegnen, Freiburg 2013

„Jesus war Mystiker. Der Wanderprediger, der bisweilen nicht wusste, wohin er seinen Kopf würde betten können, ruhte in etwas anderem, in dem, was er VATER nannte. Es ist die Vaterbeziehung, die dem dynamischen Jesus, der äußerlich betrachtet mit fast allem gebrochen hat, seine MITTE gibt, und erklärt, dass Jesus nicht ein bloßer Provokateur war, sondern einfach konsequent.

Nur aus Jesu BEHEIMATUNG BEIM VATER ist die revolutionäre Bergpredigt anders als neurotisch zu denken. Dasselbe gilt für Jesu Hingabe; alles entstand ganz und gar aus dem Vater und zu ihm hin.“

„Jesu Berufung bestand darin, die Menschen zurückzuholen vom Abgetrennt-Sein ins Verbunden-Sein, vom Gespalten-Sein, vom Stehen auf schiefer Ebene ins Stehen und Ruhen in sich selbst, im Ganzen, in Gott.“

Die Frage ist, ob der Mensch in festem URGRUND (Gott, Ganzheit) verankert sei oder nicht. Hat er eine MITTE, um die er kreist (Gott als das Ganze, eine aufs Ganze zielende Vision von Entwicklung, den eigenen Wesenskern?) Eine Mitte auch, die es Wert ist, dass er sein Leben darauf setzt (M. LUTHER schrieb im Jahre 1529: „Worauf Du nun …Dein Herz hängst und verlässt, das ist eigentlich Dein Gott“). Oder ist der Mensch mitsamt seinen Götzen vor allem sich selbst Mitte? Es geht um die Zentrierung des Menschen (Worum kreist der Mensch letztlich?). Die Alternative zum Menschen, der Gott als seine Mitte erkennt, besteht nicht darin, Agnostiker zu sein oder Atheist, sondern NARZISS zu sein. Sie lautet nicht: glauben oder zweifeln, denn im Zweifel kann der Mensch in seinen noch immer offen gehaltenen Fragen sehr wohl ausgerichtet sein auf eine letzte Wahrheit, einen letzten Sinn hin. Anders der narzisstisch um sich selbst kreisende, selbst herr-liche (selbst Herr sein wollende) Mensch, der in seiner Abkapselung und Egozentrik nicht mehr offen ist auf etwas hin, das ihn und seine Sicht der Dinge relativieren würde.

C.G.JUNG (1961) sagt: „Die entscheidende Frage für den Menschen ist: Bist DU auf Unendliches bezogen oder nicht. Das ist das Kriterium seines Lebens. Nur wenn ich weiß, dass das Grenzenlose das Wesentliche ist, verlege ich mein Interesse nicht auf Dinge, die nicht von entscheidender Bedeutung sind.“

Für Jesus gilt: Die menschliche (Ur)angst ist für ihn nicht das Letzte, sondern unterfangen vom noch tiefer liegenden Urvertrauen. Jesus hat darin eine Grundaussage des Wesens Mensch erspürt. An STERBEBETTEN wird deutlich: Wenn Sterbende ihr IM-Ich-Sein hinter sich ge-lassen haben, sind sie wie jenseits aller Angst (davon erzählen viele sog. Nahtoderfahrungen). Angst kann folglich grund-sätzlich (vom Grund her) relativiert werden, man kann darüber hinauswachsen. DAZU LÄDT JESUS EIN; wir können uns auf das URVERTRAUEN und die VATERBEZIEHUNG einlassen. Das eigentlich meint UMKEHR.

An Jesus lern(t)en die Menschen, was Vertrauen bewirkt. Das gilt auch für heutige Gläubige: Jesus – im Unterschied zum unfassbaren Gott – ist vielen näher. Jesus ist MITTLER, BRÜCKE.

Wenn es darum geht, Vertrauen zu finden, haben BILDER vom GÖTTLICHEN HIRTEN und von der FÜRSORGLICHKEIT GOTTES eine ähnliche BRÜCKENFUNKTION. Auch eine gesunde MARIENVEREHRUNG, die oft für mehr steht als nur für einen Bezug zur Mutter Jesu, gehört hierher. Diese Bilder stehen dafür, DASS DER ABGRUND MENSCHLLICHER NOT UNTERFANGEN IST VON EINER LETZTEN VERLÄSSLICHKEIT, DIE DARIN BESTEHT, DASS KEINER AUS DER UMFASSENDEN GÖTTLICHEN GÜTE HERAUSFALLEN KANN.

Jedermann?

Propst Maximilian Fürnsinn (Stift Herzogenburg) über die Inszenierung des Salzburger

Festspielklassikers (NÖN)

Ein Ereignis dieses Sommers geht mir stark nach: die Premiere des „Jedermann“ in Salzburg – eine tolle Inszenierung, hervorragende Schauspieler, eine flotte Regie. Trotzdem bekommt man nur einen REDUZIERTEN, aber sehr heutigen „Jedermann“ präsentiert. Dieser „Jedermann“ ist nicht mehr das Spiel vom Mysterium des Menschseins; nicht das Spiel von der Beziehung von Gott und Mensch; es gehr nicht mehr um die Verantwortung des Menschen seinem Schöpfer gegenüber; nicht mehr um Erlösung und Rettung. Von Gnade und göttlicher Barmherzigkeit ist nichts mehr zu spüren.

Dieser Jedermann bringt die SITUATION VON RELIGION IN UNSERER GESELLSCHAFT auf die Bühne. Christliche Weltanschauung trägt und hält nicht mehr. Sie scheint kein Deutungsmuster für heute zu sein. Menschliches Leben wird aussichtslos und bleibt sich selbst überlassen. Der Mensch lebt unter einem geschlossenen Himmel, ohne Transzendenz und ohne Glauben und Vertrauen, die stärker sein können als das Leben.

Aus einem Mysterienspiel ist ein Drama des auf sich selbst zurückgeworfenen Menschen geworden. Das nennt das Begleitheft zum Spiel „aufgeklärt“. Da werden Mensch und Gesellschaft exakt abgebildet.

Viele Situationen des Menschseins werden nicht mehr beantwortet. Eine Grundangst ist die Angst vor dem Tod. Eine Hoffnung darüber hinaus gibt es nicht. Selbst Beziehungen tragen nicht. Die Beziehung „Jedermanns“ zur emanzipiert wirkenden Buhlschaft liegt nur im Augenblick. Liebe wird nicht angestrebt – alles ein kurzfristiges Abenteuer. Nur darauf scheint der Mensch ein Anrecht zu haben. Die Begegnung mit den „Freunden“ bildet die heutige Schicki-micki-Gesellschaft ab, ein belangloser Umgang. Der erworbene Reichtum des „Jedermann“, insbesondere die Festtafel, wird am Höhepunkt des Spiels bei schräg gestellter Bühne wie eine Mülldeponie entsorgt. Entsorgung scheint das sinnvolle Ende zu sein. Sinn gibt es nicht über den Augenblick hinaus. Schließlich landet „Jedermann“ im Spitalsbett einer psychiatrischen Anstalt. Selbst der Heimgang des „Jedermann“ durch den Tod zu Gott ist kein Erlösungsweg – höchstens ein Abgang.

Ich bin überzeugt, diese Inszenierung geht vielen Menschen unter die Haut. Trotzdem ist dieses Spiel heuer eine „Teildarstellung“ des „Jedermann“. Psychodramen haben wir genug.

Aber wir brauchen heute dringend die Botschaft: GOTT HÄLT DEN MENSCHEN! Die Menschenfrage kann man von der Gottesfrage nicht trennen. Des Menschen Berufung ist das Lieben. Das Wesen der Liebe ist das Wesen Gottes. Für sogenannte „Aufgeklärte“ nur ein bemerkenswerter aufgeklärter Satz dazu: „Die Welt, die Menschheit und der Mensch leben von Voraussetzungen, die sie selber nicht schaffen können!“ (Böckenförde).

Nur mit dieser Wahrheit bleibt der „Jedermann“ Weltkulturerbe….

Wehret den Anfängen….(K)ein Druck auf Höchstgerichte..

Verfassungsgerichtshof-Präsident Holzinger warnt davor, Verfassungsgerichte in Frage zu stellen und politischen Druck auf die Höchstgerichte, wie es auch in Österreich bereits geschah,  auszuüben. Entsprechende Strömungen in manchen Staaten Europas seinen „BEDRÜCKEND und BESORGNISERREGEND“. „Wer sich gegen die Verfassungsgerichtsbarkeit stellt, setzt nicht nur den Rechtsstaat, sondern letztlich auch die DEMOKRATIE AUFS SPIEL.“

„Viele haben so viel Heimat im Hirn, da hat nix anderes mehr Platz.“ (Severin GRÖBNER)