Wehrlos wartest du
irgendwo unterwegs 
in unserer zugigen Welt.
Nur ein Kind bist du.
Was wärst du ohne Schutz
im Gedränge der vielen?
Wehrlos wartest du.

Licht geht aus von dir.
Wer dich findet,
findet das Leben.
Du leuchtest ohne Lärm.
Man kann dich übersehen.
Jeden schaust du an.
Licht geht aus von dir.

Zieh uns hin zu dir, 
kleiner Menschenbruder, 
großer Gottessohn.
Nimm mich freundlich an.
unser Herz ist ruhelos
irgendwo unterwegs.
Zieh uns hin zu dir.

Text Anno Schoenen aus: Zum Geheimnis der Weihnacht Kunstverlag Maria Laach Edition Wort und Bild Nr. 120

 

Adventliche und weihnachtliche Impulse

 

Wider alle Erwartungen

Wir erwarteten einen Übermenschen, du gabst und ein kleines Kind.
Wir erwarteten einen Herrscher, du gabst uns einen Bruder.
Wir erwarteten einen Rächer, du gabst uns einen Verfolgten.
Wir erwarteten die Beute des Hasses, und siehe da: die Liebe.
Wir waren in den Krallen der Angst, und da nun : die Freude.
Wir waren im Rachen der Macht, und da: das Licht!
Unsere Weisen sind zu ihm gegangen, mit ihren Schätzen beladen, aber sie wurden die Beschenkten, die Beglückten. Unsere Mächtigen sind zu ihm gegangen, steif aufrecht von ihrem Stolz, das Kind machte sie biegsam, sie bogen das Haupt und die Knie.
Mit allen Menschen, die die Nacht absuchen nach Gerechtigkeit, nach einem Schimmer von Frieden, mit den Weisen und Gebeugten begrüßen wir das Unerwartete, das überraschende Licht: das Kind.

Aus Lateinamerika (aus „Zuwendung“ Hauskirche Linz 1996, 53)

 

Im Advent und zu Weihnachten haben die Engel Hochkonjunktur. Überall hängen sie, schweben sie, luftig, bunt, phantasievoll, oft mit lockigem Haar.
Sie erinnern an den Engel, der zu Maria kam und Josef im Traum erschien, der die frohe Botschaft von der Geburt Jesu verkündete, bald verstärkt durch einen großen Chor.
Wie immer man sich die Engel vorstellt, sie verkörpern oder symbolisieren das Einwirken und Eingreifen Gottes, seine tröstende, ermutigende, heilende, stärkende Gegenwart.
Engel können Einsichten sein, Gedanken, innere Impulse, aber auch ganz konkrete „Wesen“ ohne Flügel, also Menschen, die mit beiden Füßen auf dem Boden stehen.
Engel kommen oft inkognito, versteckt in einer Einladung zu einem Konzert oder einer Tasse Kaffee oder, noch geheimer, in einem Brief, einem Anruf.
Wie oft sagen wir zu jemandem: „Du bist ein Engel“, oder: „Dich hat der Himmel geschickt“, weil er oder sie uns wohl getan hat.

Max Feigenwinter schreibt:

Du kommst auf mich zu
wenn ich es gar nicht erwarte
Du sprichst mich an
wenn ich mich allein fühle
Du hörst mir zu
wenn ich an mir zweifle
Du stehst zu mir
wenn ich schwach bin
Du bleibst bei mir
wenn ich abweisend bin
Du stellst mir Fragen
dich mich fördern


Du ermutigst mich
anzunehmen, was ist
Du forderst mich auf
zu sein, wie ich bin
Du sagst ja
ja zu mir
und ich spüre
wie in mir Neues wächst
neues Vertrauen
neue Hoffnung
neues Leben

Ja, es gibt sie, die Engel! In einem modernen Lied wird die Frage gestellt: „Wirst du für mich, werd‘ ich für dich der Engel sein?“ Meistens kommen Engel unerwartet. Manchmal sind sie da und man merkt es nicht oder erst im Nachhinein.
Und wem könnte ich heute ein Engel sein?

Elmar Simma (aus: Geführt von einem inneren Stern. Tyrolia 2019, 41-43)

 

Hingabe

 

Meistens wird Gott
ganz leise
Mensch

die Engel
singen nicht
die Könige gehen vorbei
die Hirten bleiben
bei ihren Herden

meistens wird Gott
ganz leise
Mensch

von der Öffentlichkeit
unbemerkt
von den Menschen
nicht zur Kenntnis genommen

in einer kleinen Zweizimmerwohnung
in einem Asylantenwohnheim
in einem Krankenzimmer
in nächtlicher Verzweiflung
in der Stunde der Einsamkeit
in der Freude am Geliebten

meistens wird Gott
ganz leise
Mensch

wenn Menschen
zu Menschen werden

 

Andrea Schwarz (aus: Wenn ich meinem Dunkel traue, Herder 1997, 76-77)

Ungewöhnlich?

 

kaum geboren
und schon staunen Hirten

kaum geboren
und schon
verehren weise Männer

kaum geboren
und schon
von den Mächtigen bedroht

kaum geboren
und schon
auf der Flucht

kaum geboren
und schon
mitten im Leben

trotzdem
wird Gott
Mensch

oder
gerade deswegen?

 

Andrea Schwarz (aus: Wenn ich meinem Dunkel traue, Herder 1997, 78)

 

 

„In der Nacht
ist eine Kerze heller als die Sonne.“

(Sting, aus: Englishman in New York)

 

 Mensch werden heißt Kind werden. Seit Adam und Eva gibt es keine Ausnahme davon. Der Weg zum Menschsein führt über das Kind. Es ist Gottes eigener Weg. Gottes Sohn ist Mensch geworden, indem er Kind wurde. Wir gehören zu ihm, wenn wir seine Freunde aufnehmen, die Kinder, und wenn wir wie Kinder ihn selbst aufnehmen.

Nur wer Kind wird, geht ein in Gottes Reich. Einfach werden, lauter sein, mitleiden können, sich freuen können. Sich beschenken lassen und weiterschenken.
Das Kind – Heilkraft gegen Resignation und Berechnung, gegen Egoismus und Sinnleere. Das Kind, das uns um sein Leben und um seinen Lebensraum bittet. Das Kind in der Krippe, das uns einlädt, mit ihm Mensch zu sein und von ihm göttliches Leben zu empfangen.

Klaus Hemmerle (aus „Zuwendung“ Hauskirche Linz 1996, 52)

 

Stärker als die Dunkelheit

Wenn ich in den Winternächten so hinaufschaue zu den Sternen, erfüllt es mich immer wieder mit Staunen: Licht überwindet unermessliche Entfernungen, riesige Räume und tiefste Dunkelheit. Der Kerzenschein hinter einem Fenster ist über etliche Kilometer zu sehen. Das Licht ist der Beweis, dass etwas sehr Kleines eine sehr große Wirkung haben kann.

Dunkelhaut taucht in verschiedensten Formen immer wieder in unserem Leben auf: Beziehungen, die zerbrechen, der Körper, der unwiderruflich schwächer wird, oder eine Krankheit, die uns aus der gewohnten Bahn des Lebens wirft. Von Dunkelheit zeugen auch all die tragischen Schicksale überall in der Welt, Menschen in Todesangst und Armut, die scheinbar nie endende Ungerechtigkeit. Die dunkle Zeit des Jahres erinnert auch an die letzte geheimnisvolle Dunkelheit des Lebens, den Tod.

Mitten in dieser Zeit zünden wir besonders viele Kerzen an, hängen Lichterketten an Balkone und Bäume und suchen Orte, wo wir den Sternenhimmel sehen können.

Selbst ein kleines Licht ist stärker als die größte Dunkelheit. So wie ein Funke Freude meine Angst überwinden kann. So wie eine Spur Vertrauen meine Sorgen verwandeln kann. So wie eine Prise Barmherzigkeit meinen Zorn schmelzen lässt.

Weihnachten erinnert jedes Jahr daran, dass etwas sehr Kleines eine sehr große Wirkung haben kann. Weihnachten fordert uns auf, diesen kleinen Dingen zu vertrauen, sie in unser Leben aufzunehmen und sie auch immer wieder zu verschenken.

Gernot Candolini (aus: Kummermehr P., Zeit der Stille Herder 2018, 28-29)

 

Vor Göttern und Mächten
sind wir Christen heute noch immer
nicht sicher. Sie haben andere Namen:
Reichtum oder Sicherheit
Machbarkeit oder Leistung
Macht und Meinung.

Weihnachten ruft uns deshalb
in die elementare Grundentscheidung:
Worauf bauen wir unser Leben –
auf solche Mächte und Gewalten
oder auf Jesus Christus,
das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet
und im Kind der Krippe zu Bethlehem
in unsere Welt gekommen ist?

Kurt Koch (aus: Zum Geheimnis der Weihnacht, Kunstverlag Maria Laach, 14)

 

 

Eine Adventzeit, in der Gottes Licht in uns zunimmt, und frohe, friedvolle und gesegnete Weihnachten als die Erfahrung der unbedingten Nähe Gottes unter uns Menschen
wünschen allen, die unser Pfarrblatt erhalten.

 

 Karl Molnar                                      Ernst Steindl

   stv. Vorsitzender PGR                     Seelsorger  

 

 Wir sind Kirche International feiert in Rom Gründung vor 25 Jahren

Wir sind Kirche International (We are Church International, WAC-I) wurde 1996 in Rom gegründet und ist ein weltweiter Zusammenschluss von nationalen Kirchenreformgruppen. WAC-I setzt sich für die Erneuerung der römisch‐katholischen Kirche auf der Grundlage des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962‐1965) und des daraus entwickelten theologischen Geistes ein. Wir sind Kirche International (We are Church International, WAC-I) unterstützt die Pläne von Papst Franziskus für einen weltweiten synodalen Prozess.

„Was alle betrifft, muss von allen entschieden werden. Dieses alte Konzept der Kirche muss wiederbelebt werden!“ sagte Colm Holmes aus Irland, Vorsitzender von WAC-I, auf der Jubiläumskonferenz dieser weltweiten katholischen Reformgruppe vom 29. bis 31. Oktober 2021 in Rom. Die aktuelle Krise zeigt, dass die 5 ursprünglichen Ziele von Wir sind Kirche für die gesamte Kirche heute relevant sind und nun auf der Tagesordnung von Synodaltagungen in aller Welt stehen: gemeinsame Entscheidungsfindung, Frauen in allen Ämtern, Vorrang des Gewissens, freiwilliger Zölibat, ein Willkommen für alle. Wir sind Kirche International protestierte dagegen, dass 99,9 % des Volkes Gottes keine Stimme in der Synode über die Synodalität 2023 haben werden, nichtsdestotrotz ermutigt WAC-I alle, der Synode Beiträge zu all den aktuellen Themen zu schicken.

Gemeinschaft, Teilhabe und Sendung
Bischofssynode „Eine synodale Kirche“ 2021-2023

Papst Franziskus will die Weltkirche einbinden, wenn es um die Zukunft der Kirche geht. Mit einer Messe im Petersdom eröffnete er die Weltsynode der katholischen Kirche. Ziel des auf gut zwei Jahre angesetzten Prozesses ist ein neuer Umgangsstil in der Kirche. „Alles ändert sich, wenn wir zu echten Begegnungen mit Gott und untereinander fähig sind. Ohne Formalitäten, ohne Täuschung, ohne Tricks“, sagte der Heilige Vater in seiner Predigt.

Auf drei Dinge werde es ankommen, nämlich auf „begegnen, zuhören und unterscheiden“. Wichtig sei dabei, sich Zeit zu nehmen, um Gott zu begegnen und die Begegnung untereinander zu fördern. Und Franziskus verspricht: Am Ende eines echten Dialogs „sind wir nicht mehr dieselben wie vorher, wir haben uns verändert.“

Ingrid Burgstaller in: RUPERTUSBLATT

Gebet von Papst Franziskus zur Synodeneröffnung

Komm, Heiliger Geist, der du neue Sprachen erweckst und Worte des Lebens auf die Lippen legst, bewahre uns davor, eine museale Kirche zu werden, die schön, aber stumm ist, die viel Vergangenheit, aber wenig Zukunft besitzt.
Komm unter uns, auf dass wir uns in der synodalen Erfahrung nicht von Ernüchterung überwältigen lassen, die Prophetie nicht verwässern, nicht darin enden, alles auf unfruchtbare Diskussionen zu reduzieren.
Komm, Heiliger Geist der Liebe, öffne unsere Herzen für das Hören.
Komm, Geist der Heiligkeit, erneuere das heilige und gläubige Volk Gottes.
Komm, Schöpfer Geist, erneure das Angesicht der Erde.
Amen.